Neu: SchwindeltherapieGLA:D® – gut leben mit ArthroseLIFTMOR – Krafttraining gegen OsteoporoseCognitive Functional Therapy bei RückenschmerzenPerturbationstraining zur Sturzprävention

Für Fachpersonen: Progression, Messgrössen und Dokumentation

Denk- und Schritttraining

Für Fachpersonen: Progression, Messgrössen und Dokumentation

Wie wir dieses Training in der Praxis steuern, was wir festhalten und wie die Daten aus den Geräte-Apps herauskommen

Fachseite · Stand August 2026

Diese Seite beschreibt, wie wir das Denk- und Schritttraining in der Praxis steuern. Die Studienlage dazu steht auf der Übersichtsseite.

Die fünf Übungsblätter sind für Patientinnen und Patienten geschrieben. Sie enthalten je drei Stufen. Diese Seite nennt die Stellschrauben hinter diesen Stufen.

Progressionsparameter

Verändern Sie jeweils eine Grösse. Wer zwei gleichzeitig verändert, weiss hinterher nicht, welche gewirkt hat.

Zeitfenster bis zur Antwort
Von 3 Sekunden auf 1 Sekunde. Die wirksamste einzelne Stellschraube und zugleich die riskanteste. Verkürzen Sie erst, wenn die Trefferquote über zwei Runden stabil ist.
Anzahl Ziele
Von 4 auf 6 oder 8. Mehr Ziele verlängern die Entscheidungszeit, ohne die Schrittweite zu ändern.
Lage der Ziele
Vorne, dann seitlich, dann hinter der Standlinie. Schritte nach hinten und zur Seite verlangen die grösste Gleichgewichtsreserve.
Zielabstand
Von einer halben auf eine ganze Schrittlänge. Grössere Abstände verlangen eine echte Gewichtsverlagerung statt eines Tippschritts.
Anteil der Nogo-Signale
Von 20 auf 25 bis 30 Prozent. Ein höherer Anteil macht die Aufgabe leichter, weil die Antwortneigung sinkt. Für mehr Hemmungslast senken Sie den Anteil auf 10 bis 15 Prozent.
Regelwechsel
Fest, dann angekündigt, dann unangekündigt mitten in der Runde. Der unangekündigte Wechsel ist die schwerste Form dieser Übungsfamilie.
Art der Zweitaufgabe
Wortflüssigkeit, dann Rückwärtszählen in Dreierschritten, dann Rückwärtszählen mit gleichzeitiger Richtungsvorgabe. Rechnen belastet stärker als Wörter sammeln.
Last der Zweitaufgabe
Steuern Sie über das Tempo der Vorgaben. Ein Vorgabetakt lädt stärker als eine Aufgabe im eigenen Tempo.
Untergrund
Fester Boden, dann Matte, dann Schaumstoff. Nur bei Personen, die auf dem Untergrund bereits ohne Doppelaufgabe sicher stehen.
Blickzuwendung
Signal im Blickfeld, dann seitlich, dann mit Kopfdrehung. Die Kopfdrehung fordert zusätzlich das Gleichgewichtsorgan.
Blockdauer
20 Signale je Block, 60 bis 90 Sekunden Pause. Die Aufmerksamkeit ermüdet vor der Muskulatur. Längere Blöcke messen dann die Ermüdung und nicht die Fähigkeit.

Was Sie messen

Die Schrittreaktionszeit ist der Messwert, der bei älteren Menschen mit Stürzen zusammenhängt [3]. Sie ist zugleich der Wert, der sich unter dem Schritttraining verbessert [6].

Nehmen Sie den Median der Einzelzeiten und nicht den Mittelwert. Einzelne sehr lange Antworten verzerren den Mittelwert stark, und gerade diese Ausreisser treten bei ermüdeten Personen auf.

Trennen Sie zwei Fehlerarten. Ein Schritt auf ein Nogo-Signal ist ein Kommissionsfehler und misst die Hemmung. Eine ausgelassene Antwort auf ein gültiges Signal ist eine Auslassung und misst Aufmerksamkeit oder Tempo. Beide zusammen als „Fehlerquote" zu führen, verschenkt die Aussage.

Doppelaufgabenkosten berechnen

Die Kosten geben in Prozent an, wie viel eine Leistung unter der Doppelaufgabe nachgibt [24]:

Kosten in Prozent = (Einzelaufgabe − Doppelaufgabe) ÷ Einzelaufgabe × 100

  • Rechnen Sie die Kosten für BEIDE Aufgaben aus, für die Bewegung und für das Denken [24]. Erst beide zusammen zeigen, welche Aufgabe nachgegeben hat.
  • Bei Zeitwerten wird die Leistung mit steigendem Wert schlechter. Drehen Sie dort das Vorzeichen um, damit eine Verschlechterung als positive Kostenzahl erscheint.
  • Messen Sie beide Einzelaufgaben in derselben Sitzung. Ein Einzelwert von letzter Woche macht die Kostenzahl unbrauchbar.
  • Ob die Kosten künftige Stürze vorhersagen, ist über die Studien hinweg uneinheitlich [4]. Nutzen Sie den Wert zur Verlaufskontrolle und nicht zur Prognose.

Was Sie festhalten

Ein Eintrag pro Übungsblock. Sechs Felder genügen.

  • Datum, Übung und Stufe
  • Zahl der Signale und Zahl der Treffer
  • Median der Antwortzeiten in Millisekunden
  • Kommissionsfehler und Auslassungen getrennt
  • Doppelaufgabenkosten für Bewegung und Denken, wo gemessen
  • Abbrüche und ihr Grund

Halten Sie zusätzlich fest, welche einzelne Stellschraube Sie gegenüber dem letzten Mal verändert haben. Ohne dieses Feld lässt sich ein Verlauf nachträglich nicht deuten.

Dosis

Aus der Metaanalyse zum Doppelaufgabentraining: 30 Minuten dreimal pro Woche über vier Wochen für das Gleichgewicht in Bewegung, 50 Minuten dreimal pro Woche über 13 Wochen für die Beweglichkeit im Alltag [10]. Beide Angaben gelten für eine Teilnahme an 95 Prozent der Einheiten [10].

Für die Frage, welche Dosis die Stürze senkt, reichten die Daten dieser Auswertung nicht aus [10].

Unser Vorgehen: 20 bis 30 Minuten, zwei- bis dreimal pro Woche, in Blöcken von zwei bis drei Minuten. Zielkorridor der Trefferquote 75 bis 85 Prozent. Dieser Korridor stammt aus der Praxis und nicht aus einer Studie.

Datenexport aus den Geräte-Apps

Die folgenden Menüpfade sind nicht gegen die aktuelle App-Version geprüft. Sie ändern sich mit Aktualisierungen. Prüfen Sie sie am Gerät, bevor Sie sich darauf verlassen.

BlazePod speichert jede Aktivität samt Einzelzeiten im Konto der App. Die Auswertung einer Aktivität lässt sich anzeigen und teilen. Für eine Weiterverarbeitung in einer Tabelle brauchen Sie den Export als Datei.

A-Champs ROXs führt eine eigene App mit demselben Grundprinzip: Aktivität auswählen, Ergebnis öffnen, teilen oder exportieren.

  1. App öffnen und zur Übersicht der abgeschlossenen Aktivitäten wechseln.
  2. Die gewünschte Aktivität auswählen und die Detailansicht mit den Einzelzeiten öffnen.
  3. Die Funktion zum Teilen oder Exportieren aufrufen und ein Tabellenformat wählen.
  4. Die Datei auf dem Praxisrechner ablegen und dort mit dem Verlauf zusammenführen.

Datenschutz beim Export

  • Beide Apps verlangen ein Konto und legen die Ergebnisse beim Anbieter ab. Das sind Dienste ausserhalb der Schweiz.
  • Vergeben Sie deshalb keine Klarnamen als Bezeichnung für Spielerinnen und Spieler. Nehmen Sie ein Kürzel und führen Sie die Zuordnung ausschliesslich in der Praxisdokumentation.
  • Übertragen Sie die Werte, die Sie behalten wollen, in die Praxisdokumentation. Die App ist der Messweg und nicht das Archiv.
  • Wer ohne Konto arbeiten will, misst mit Stoppuhr und Strichliste. Für die Verlaufskontrolle einer einzelnen Person genügt das.

Grenzen

  • Die Zuverlässigkeit der Reaktionslichter als Messgerät wurde an jungen sportlichen Erwachsenen untersucht [25]. Für ältere Menschen liegt uns keine entsprechende Arbeit vor.
  • Eine Studie, die für ein Training mit Reaktionslichtern bei älteren Menschen weniger Stürze zeigt, kennen wir nicht. Die Sturzstudien verwendeten Trittmatten oder Übungen ohne Gerät [6].
  • Die Werte aus der App sind zwischen Geräten und Aufstellungen nicht vergleichbar. Halten Sie Zielabstand, Höhe und Beleuchtung über die Messungen hinweg gleich.
  • Ein Test unter Doppelaufgabe sagt künftige Stürze nicht zuverlässig voraus [4].

Die Belegziffern verweisen auf das Literaturverzeichnis der Übersichtsseite. Zum Literaturverzeichnis

← Zurück zur Übersicht