Neu: SchwindeltherapieGLA:D® – gut leben mit ArthroseLIFTMOR – Krafttraining gegen OsteoporoseCognitive Functional Therapy bei RückenschmerzenPerturbationstraining zur Sturzprävention

Doppelspur – Spiele

Alles läuft in Ihrem Browser. Nichts wird gespeichert, nichts verlässt diese Seite.

Was Sie eben gespürt haben

Zwei Dinge gleichzeitig zu tun kostet fast immer etwas. Fachleute nennen den Einbruch Doppelaufgabenkosten: Man vergleicht, wie gut etwas allein gelingt, mit dem, was übrig bleibt, wenn eine zweite Aufgabe dazukommt. Genau das haben Sie eben an sich selbst gemessen.

Interessant ist weniger, wie viel Sie verloren haben, sondern wo. Das Gehirn verteilt seine Aufmerksamkeit nicht gleichmässig, sondern setzt Prioritäten – und fragt Sie dabei nicht. Die meisten Menschen schützen unter Druck die Bewegung und geben beim Denken nach. Man nennt das „posture first“, Haltung zuerst. Es ist die sinnvolle Reihenfolge, denn ein Rechenfehler tut nicht weh, ein Sturz schon.

Umgekehrt geht es aber auch. Wenn jemand das Denken schützt und dafür den Gang schleifen lässt – „posture second“ –, wird es heikel. Bei Parkinson findet sich dieses Muster gehäuft, und es erklärt einen Teil der Stürze, die genau dann passieren, wenn jemand gleichzeitig spricht, etwas trägt oder überlegt.

Quellen: Plummer, P., & Eskes, G. (2015). Measuring treatment effects on dual-task performance: A framework for research and clinical practice. Frontiers in Human Neuroscience, 9, 225. · Woollacott, M., & Shumway-Cook, A. (2002). Attention and the control of posture and gait: A review of an emerging area of research. Gait & Posture, 16(1), 1–14. · Yogev-Seligmann, G., Hausdorff, J. M., & Giladi, N. (2008). The role of executive function and attention in gait. Movement Disorders, 23(3), 329–342. · Bloem, B. R., Grimbergen, Y. A. M., van Dijk, J. G., & Munneke, M. (2006). The „posture second“ strategy: A review of wrong priorities in Parkinson’s disease. Journal of the Neurological Sciences, 248(1–2), 196–204.

Warum das in der Physiotherapie zählt

Gehen fühlt sich automatisch an, ist es aber nicht. Es braucht laufend Aufmerksamkeit, Planung und Kontrolle – also genau das, was auch die Denkaufgabe braucht. Deshalb geraten sich beide in die Quere. Übersichtsarbeiten, die viele Studien zusammenfassen, zeigen dasselbe Bild: Wer beim Gehen gleichzeitig rechnet, sich etwas merkt oder ein Gespräch führt, geht langsamer und unregelmässiger – auch als gesunder junger Mensch. Deutlicher wird der Effekt mit den Jahren, nach einem Schlaganfall, bei Parkinson, bei Multipler Sklerose und in den Wochen nach einer Gehirnerschütterung.

Eine der bekanntesten Beobachtungen dazu ist erstaunlich schlicht. Eine schwedische Arbeitsgruppe beschrieb 1997 im Lancet das Zeichen „stops walking when talking“: Ältere Menschen, die stehen bleiben, sobald man sie im Gehen anspricht, stürzten in den folgenden Monaten deutlich häufiger als jene, die weitergingen. Das Stehenbleiben ist keine Unhöflichkeit – es ist die einzig verbliebene Lösung, wenn zwei Aufgaben nicht mehr nebeneinander Platz haben.

Deshalb prüfen wir in der Praxis nicht nur, wie jemand geht, sondern wie jemand geht, während er etwas anderes tut: der Aufsteh-Geh-Test mit einer Zusatzaufgabe, Gehen mit Rückwärtszählen, Gehen mit einem Glas Wasser. Und deshalb üben wir Bewegung manchmal bewusst zusammen mit einer Denkaufgabe – im Alltag kommt sie ja auch nie allein. Mehr dazu in unseren Ratgebern zur Sturzprävention, zu Parkinson und zur Gehirnerschütterung.

Quellen: Lundin-Olsson, L., Nyberg, L., & Gustafson, Y. (1997). „Stops walking when talking“ as a predictor of falls in elderly people. The Lancet, 349(9052), 617. · Al-Yahya, E., Dawes, H., Smith, L., Dennis, A., Howells, K., & Cockburn, J. (2011). Cognitive motor interference while walking: A systematic review and meta-analysis. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 35(3), 715–728. · Verghese, J., Lipton, R. B., Hall, C. B., Kuslansky, G., Katz, M. J., & Buschke, H. (2002). Abnormality of gait as a predictor of non-Alzheimer’s dementia. New England Journal of Medicine, 347(22), 1761–1768. · Montero-Odasso, M., Verghese, J., Beauchet, O., & Hausdorff, J. M. (2012). Gait and cognition: A complementary approach to understanding brain function and the risk of falling. Journal of the American Geriatrics Society, 60(11), 2127–2136. · Muir-Hunter, S. W., & Wittwer, J. E. (2016). Dual-task testing to predict falls in community-dwelling older adults: A systematic review. Physiotherapy, 102(1), 29–40. · Shumway-Cook, A., Brauer, S., & Woollacott, M. (2000). Predicting the probability for falls in community-dwelling older adults using the Timed Up & Go Test. Physical Therapy, 80(9), 896–903.

Was Üben bringt – und was nicht

Hier muss man zwei Dinge auseinanderhalten, die oft in einen Topf geworfen werden.

Das eine ist „Gehirnjogging“ – und dessen Bilanz ist ernüchternd. Wer Denkspiele am Bildschirm übt, wird zuverlässig besser: in diesem Spiel. Der Schritt darüber hinaus gelingt nicht. Grosse Übersichtsarbeiten kommen übereinstimmend zum Schluss, dass sich reines Arbeitsgedächtnistraining nicht auf Intelligenz, Alltagsleistung oder allgemeine Denkfähigkeit überträgt; eine Cochrane-Übersicht zu computergestütztem Training bei geistig gesunden älteren Menschen fand ebenfalls keinen belastbaren Nutzen. Wenn Ihnen also jemand eine App verkauft, die Ihr Gehirn jünger machen soll: Die Studienlage stützt das nicht.

Das andere ist die Doppelaufgabe – und da sieht es besser aus, aber nicht grenzenlos. Wenn Bewegung und Denkaufgabe zusammen geübt werden, verbessert sich die Leistung unter Doppelbelastung; Übersichtsarbeiten bei älteren Menschen zeigen das recht einheitlich. Programme, die Bewegung mit einer Denkanforderung anreichern, schneiden dabei tendenziell besser ab als Bewegung allein. Die Effekte sind allerdings moderat, die Studien sehr unterschiedlich gebaut, und die Frage, ob dadurch am Ende weniger Menschen stürzen, ist damit noch nicht beantwortet. Für weniger Stürze ist nach wie vor am besten belegt: regelmässiges Training mit einem kräftigen Gleichgewichtsanteil, über Monate, ausreichend fordernd.

Und jetzt der Haken für dieses Spiel hier. Was man übt, wird besser – und sonst wenig. Sie üben hier, mit dem Finger im Takt zu tippen und dabei zu denken. Das macht Sie besser im Tippen und Denken. Ob es Ihr Gehen sicherer macht, ist damit gerade nicht gezeigt: Finger sind keine Beine, und das Gleichgewicht steht am Bildschirm nicht auf dem Spiel. Wenn Sie den Übertrag wollen, müssen Sie die zweite Aufgabe dorthin bringen, wo sie wirken soll – also in die Bewegung. Genau dafür gibt es hier die Möglichkeit, im Stehen mitzumarschieren, und genau dafür sind wir in der Praxis da: Dort lässt sich die Schwierigkeit an Ihre Sicherheit anpassen, statt umgekehrt.

Quellen: Simons, D. J., Boot, W. R., Charness, N., Gathercole, S. E., Chabris, C. F., Hambrick, D. Z., & Stine-Morrow, E. A. L. (2016). Do „brain-training“ programs work? Psychological Science in the Public Interest, 17(3), 103–186. · Melby-Lervåg, M., Redick, T. S., & Hulme, C. (2016). Working memory training does not improve performance on measures of intelligence or other measures of „far transfer“: Evidence from a meta-analytic review. Perspectives on Psychological Science, 11(4), 512–534. · Gates, N. J., Rutjes, A. W. S., Di Nisio, M., Karim, S., Chong, L.-Y., March, E., Martínez, G., & Vernooij, R. W. M. (2019). Computerised cognitive training for maintaining cognitive function in cognitively healthy people in late life. Cochrane Database of Systematic Reviews, (3), CD012277. · Wollesen, B., & Voelcker-Rehage, C. (2014). Training effects on motor–cognitive dual-task performance in older adults: A systematic review. European Review of Aging and Physical Activity, 11(1), 5–24. · Gheysen, F., Poppe, L., DeSmet, A., Swinnen, S., Cardon, G., De Bourdeaudhuij, I., Chastin, S., & Fias, W. (2018). Physical activity to improve cognition in older adults: Can physical activity programs enriched with cognitive challenges enhance the effects? A systematic review and meta-analysis. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, 15, 63. · Sherrington, C., Fairhall, N. J., Wallbank, G. K., Tiedemann, A., Michaleff, Z. A., Howard, K., Clemson, L., Hopewell, S., & Lamb, S. E. (2019). Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews, (1), CD012424. · Ngandu, T., Lehtisalo, J., Solomon, A., Levälahti, E., Ahtiluoto, S., Antikainen, R., … Kivipelto, M. (2015). A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER): A randomised controlled trial. The Lancet, 385(9984), 2255–2263.

Was dieses Spiel nicht ist

Es ist kein Messgerät. Zwischen Ihrem Finger und der Zahl auf dem Bildschirm liegen Touchscreen, Browser und Betriebssystem – zusammen leicht einige Dutzend Millisekunden, je nach Gerät unterschiedlich. Vergleichen Sie deshalb höchstens Ihre eigenen Durchgänge miteinander, und auch das nur auf demselben Gerät.

Dazu kommt: Es gibt hier keine Normwerte, keine Prozentränge, keine Grenzwerte – im Gegensatz zu geprüften Verfahren. Und weil die Doppelaufgabe immer zuletzt kommt, steckt in ihrem Ergebnis auch etwas Übung und etwas Ermüdung. Welche der beiden Einzelaufgaben zuerst kommt, entscheidet zwar der Zufall, das gleicht aber nur einen Teil davon aus.

Wann es sich lohnt, das ernst zu nehmen: wenn Sie im Alltag stehen bleiben müssen, sobald Sie jemand anspricht. Wenn Sie sich beim Gehen auf das Gehen konzentrieren müssen. Wenn Sie in letzter Zeit gestürzt sind oder beinahe gestürzt wären. Das gehört nicht in ein Browserspiel, sondern in eine richtige Abklärung – bei uns oder bei Ihrer Ärztin und Ihrem Arzt.

Quellen: Repp, B. H. (2005). Sensorimotor synchronization: A review of the tapping literature. Psychonomic Bulletin & Review, 12(6), 969–992. · Plummer, P., & Eskes, G. (2015). Measuring treatment effects on dual-task performance: A framework for research and clinical practice. Frontiers in Human Neuroscience, 9, 225.

Alle Quellen (18)
  1. Lundin-Olsson, L., Nyberg, L., & Gustafson, Y. (1997). „Stops walking when talking“ as a predictor of falls in elderly people. The Lancet, 349(9052), 617.
  2. Al-Yahya, E., Dawes, H., Smith, L., Dennis, A., Howells, K., & Cockburn, J. (2011). Cognitive motor interference while walking: A systematic review and meta-analysis. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 35(3), 715–728.
  3. Woollacott, M., & Shumway-Cook, A. (2002). Attention and the control of posture and gait: A review of an emerging area of research. Gait & Posture, 16(1), 1–14.
  4. Yogev-Seligmann, G., Hausdorff, J. M., & Giladi, N. (2008). The role of executive function and attention in gait. Movement Disorders, 23(3), 329–342.
  5. Bloem, B. R., Grimbergen, Y. A. M., van Dijk, J. G., & Munneke, M. (2006). The „posture second“ strategy: A review of wrong priorities in Parkinson’s disease. Journal of the Neurological Sciences, 248(1–2), 196–204.
  6. Verghese, J., Lipton, R. B., Hall, C. B., Kuslansky, G., Katz, M. J., & Buschke, H. (2002). Abnormality of gait as a predictor of non-Alzheimer’s dementia. New England Journal of Medicine, 347(22), 1761–1768.
  7. Montero-Odasso, M., Verghese, J., Beauchet, O., & Hausdorff, J. M. (2012). Gait and cognition: A complementary approach to understanding brain function and the risk of falling. Journal of the American Geriatrics Society, 60(11), 2127–2136.
  8. Muir-Hunter, S. W., & Wittwer, J. E. (2016). Dual-task testing to predict falls in community-dwelling older adults: A systematic review. Physiotherapy, 102(1), 29–40.
  9. Plummer, P., & Eskes, G. (2015). Measuring treatment effects on dual-task performance: A framework for research and clinical practice. Frontiers in Human Neuroscience, 9, 225.
  10. Repp, B. H. (2005). Sensorimotor synchronization: A review of the tapping literature. Psychonomic Bulletin & Review, 12(6), 969–992.
  11. Wollesen, B., & Voelcker-Rehage, C. (2014). Training effects on motor–cognitive dual-task performance in older adults: A systematic review. European Review of Aging and Physical Activity, 11(1), 5–24.
  12. Gheysen, F., Poppe, L., DeSmet, A., Swinnen, S., Cardon, G., De Bourdeaudhuij, I., Chastin, S., & Fias, W. (2018). Physical activity to improve cognition in older adults: Can physical activity programs enriched with cognitive challenges enhance the effects? A systematic review and meta-analysis. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, 15, 63.
  13. Sherrington, C., Fairhall, N. J., Wallbank, G. K., Tiedemann, A., Michaleff, Z. A., Howard, K., Clemson, L., Hopewell, S., & Lamb, S. E. (2019). Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews, (1), CD012424.
  14. Simons, D. J., Boot, W. R., Charness, N., Gathercole, S. E., Chabris, C. F., Hambrick, D. Z., & Stine-Morrow, E. A. L. (2016). Do „brain-training“ programs work? Psychological Science in the Public Interest, 17(3), 103–186.
  15. Melby-Lervåg, M., Redick, T. S., & Hulme, C. (2016). Working memory training does not improve performance on measures of intelligence or other measures of „far transfer“: Evidence from a meta-analytic review. Perspectives on Psychological Science, 11(4), 512–534.
  16. Gates, N. J., Rutjes, A. W. S., Di Nisio, M., Karim, S., Chong, L.-Y., March, E., Martínez, G., & Vernooij, R. W. M. (2019). Computerised cognitive training for maintaining cognitive function in cognitively healthy people in late life. Cochrane Database of Systematic Reviews, (3), CD012277.
  17. Ngandu, T., Lehtisalo, J., Solomon, A., Levälahti, E., Ahtiluoto, S., Antikainen, R., … Kivipelto, M. (2015). A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER): A randomised controlled trial. The Lancet, 385(9984), 2255–2263.
  18. Shumway-Cook, A., Brauer, S., & Woollacott, M. (2000). Predicting the probability for falls in community-dwelling older adults using the Timed Up & Go Test. Physical Therapy, 80(9), 896–903.

Die Quellen sind wörtlich und in ihrer Originalsprache aufgeführt; nur beschreibende Zusätze sind übersetzt.