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Trügerische Sicherheit – Spiele

Wissen spielerisch

Trügerische Sicherheit

Ein Test ist positiv – bin ich also krank? Nicht unbedingt.

Ein Testergebnis fühlt sich nach Gewissheit an: „positiv“ scheint eindeutig, „negativ“ auch. Doch wie viel ein Ergebnis wirklich bedeutet, hängt oft weniger vom Test selbst ab – sondern davon, wie verbreitet eine Erkrankung in der untersuchten Gruppe überhaupt ist. Das führt zu einem Ergebnis, das viele überrascht.

Ein Beispiel zum Mitdenken

Stell dir eine Krankheit vor, die 5 von 1000 Menschen haben – sie ist also selten. Der Test ist gut und erkennt fast alle Kranken und fast alle Gesunden richtig. Und trotzdem: Unter den vielen hundert Gesunden stuft der Test einige wenige fälschlich als „krank“ ein. Weil es aber so viele Gesunde gibt, kommen so am Ende mehr Fehlalarme zusammen als echte Fälle. Von allen, die ein positives Ergebnis bekommen, ist dann nur ein kleiner Teil wirklich krank – ein positiver Test ist hier also ein Hinweis, aber noch lange kein Urteil.

Umgekehrt kann bei einem begründeten Verdacht ein negatives Ergebnis trügen – dann werden echte Fälle übersehen. Ein Beispiel, näher an unserem Praxisalltag:

Ein zweites Beispiel – aus der Praxis

Sie haben sich beim Sport das Knie verdreht und vermuten einen Meniskusriss. Weil die Beschwerden gut dazu passen, ist die Wahrscheinlichkeit von vornherein hoch – nehmen wir an, von 1000 Menschen mit einem solchen Verdacht hat etwa die Hälfte wirklich einen Riss. Die Ärztin oder der Therapeut prüft das Knie mit dem McMurray-Test, einem verbreiteten Handgriff.

Studien zeigen: Dieser Test erkennt einen echten Riss nur in gut 6 von 10 Fällen, schlägt dafür bei Gesunden selten fälschlich an. Die Folge – ein positives Ergebnis spricht ziemlich klar für einen Riss (rund 8 von 10 stimmen). Ein negatives Ergebnis ist aber keine Entwarnung: fast 200 von 1000 mit einem echten Riss werden übersehen, und rund ein Drittel derjenigen mit unauffälligem Test hat trotzdem einen Riss. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt sich darum ein zweiter Blick – etwa ein weiterer Test oder eine Bildgebung.

Testgenauigkeit nach einer systematischen Übersichtsarbeit: McMurray-Test rund 61 % Sensitivität und 84 % Spezifität. Die angenommene Vortestwahrscheinlichkeit dient der Veranschaulichung. Diesen Fall kannst du unten als Voreinstellung „Meniskus“ direkt ausprobieren. doi:10.1136/ebmed-2014-110160

Dasselbe Ergebnis – einmal positiv, einmal negativ – bedeutet je nach Häufigkeit also etwas ganz anderes.

Je seltener etwas ist, desto vorsichtiger nimmt man ein positives Ergebnis. Je häufiger etwas ist, desto vorsichtiger ein negatives.

Die vier Begriffe kurz erklärt

Prävalenz (Häufigkeit)
Wie viele von 1000 Menschen die Erkrankung wirklich haben.
Sensitivität
Wie gut der Test Kranke erkennt – je höher, desto weniger werden übersehen.
Spezifität
Wie gut der Test Gesunde erkennt – je höher, desto weniger Fehlalarme.
Fehlalarm (falsch positiv)
Der Test sagt „krank“, die Person ist aber gesund.
Übersehen (falsch negativ)
Der Test sagt „gesund“, die Person ist aber krank.

Probier es jetzt selbst aus: Verschiebe unten die Regler und beobachte, wie sich der Block aus 1000 Menschen umsortiert.

Stellschrauben

Wie viele von 1000 Menschen sind tatsächlich krank?

Anteil der Kranken, die der Test korrekt positiv meldet.

Anteil der Gesunden, die der Test korrekt negativ meldet.

1000 Menschen

Krank · positiv – richtig erkannt
Krank · negativ – übersehen
Gesund · positiv – Fehlalarm
Gesund · negativ – entwarnt

Test positiv → wirklich krank?

Test negativ → wirklich gesund?

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Quellen

  1. Gigerenzer G, Gaissmaier W, Kurz-Milcke E, Schwartz LM, Woloshin S. Helping Doctors and Patients Make Sense of Health Statistics. Psychological Science in the Public Interest. 2007;8(2):53–96.
    https://doi.org/10.1111/j.1539-6053.2008.00033.x
  2. Smith BE, Thacker D, Crewesmith A, Hall M. Special tests for assessing meniscal tears within the knee: a systematic review and meta-analysis. Evidence-Based Medicine. 2015;20(3):88–97.
    https://doi.org/10.1136/ebmed-2014-110160
  3. Hegedus EJ, Cook C, Hasselblad V, Goode A, McCrory DC. Physical examination tests for assessing a torn meniscus in the knee: a systematic review with meta-analysis. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2007;37(9):541–550.
    https://doi.org/10.2519/jospt.2007.2560
  4. Brinjikji W, Luetmer PH, Comstock B, et al. Systematic Literature Review of Imaging Features of Spinal Degeneration in Asymptomatic Populations. American Journal of Neuroradiology. 2015;36(4):811–816.
    https://doi.org/10.3174/ajnr.A4173

Vereinfachte Illustration zur Veranschaulichung – keine medizinische Beratung. „Prävalenz“ meint hier, wie häufig die Erkrankung in der untersuchten Gruppe ist; „Sensitivität“ und „Spezifität“ beschreiben, wie zuverlässig der Test Kranke bzw. Gesunde erkennt.