1. Warum dieser Text?
Mittwochabend, Hobbyliga. Ein Sprint auf den langen Ball, und im gleichen Moment fährt es hinten in den Oberschenkel wie ein Peitschenschlag. Zwei Wochen später ist Gehen wieder schmerzfrei, nach vier Wochen fühlt sich alles normal an. In Woche fünf steht er wieder auf dem Platz. In Woche sechs reisst es an derselben Stelle – diesmal schlimmer.
Diese Geschichte erzählen wir in der Praxis nicht deshalb so oft, weil unsere Patientinnen und Patienten ungeduldig wären. Wir erzählen sie, weil sie das Kernproblem dieser Verletzung genau trifft: Der Schmerz verschwindet lange, bevor der Muskel wieder belastbar ist. Und weil niemand einem etwas anderes sagt, hört die Behandlung ungefähr dann auf, wenn sie eigentlich anfangen müsste.
Die Muskeln an der Oberschenkelrückseite – im Sportjargon die «Hamstrings», medizinisch die ischiocrurale Muskulatur – sind die am häufigsten verletzten Muskeln im Sport überhaupt. Im europäischen Spitzenfussball machen sie inzwischen 24 Prozent aller Verletzungen aus; über einundzwanzig Jahre hat sich ihr Anteil verdoppelt [2]. Aber es ist längst kein reines Fussballerthema (Abschnitt 3).
Anlass für diesen Text ist eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2026: Das Aspetar-Spital in Doha, eine der grössten sportmedizinischen Einrichtungen der Welt, hat seinen internen Rehabilitationspfad für Hamstring-Verletzungen offengelegt und von 24 Fachleuten aus dem internationalen Spitzensport begutachten lassen [1]. Das Ergebnis ist der wohl detaillierteste öffentlich zugängliche Fahrplan für diese Verletzung – mit einem wichtigen Vorbehalt, auf den wir in Abschnitt 9 zurückkommen.
Dieser Text erklärt, warum ausgerechnet diese Muskelgruppe so anfällig ist, was in den ersten Tagen zählt, warum ein MRT weniger sagt, als viele erwarten, und woran Sie erkennen, dass Sie wirklich wieder bereit sind. Die Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf das Literaturverzeichnis am Ende.
Ein Hinweis vorweg: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Untersuchung. Was Ihre Ärztin oder Ihr Arzt für Ihre Verletzung festlegt, geht vor.
2. Was die Hamstrings sind – und warum ausgerechnet sie
Drei Muskeln bilden die Gruppe: der zweiköpfige Oberschenkelmuskel (Musculus biceps femoris) aussen sowie der Halbsehnenmuskel und der Plattsehnenmuskel (Semitendinosus und Semimembranosus) innen. Alle drei entspringen am Sitzbeinhöcker – dem Knochen, auf dem Sie sitzen – und ziehen bis unter das Knie.
Damit überspannen sie zwei Gelenke: Sie strecken die Hüfte und beugen das Knie. Diese Doppelfunktion ist ihr Talent und ihr Problem zugleich. Beim schnellen Laufen gibt es einen Moment, in dem die Hüfte gebeugt und das Knie gleichzeitig gestreckt wird – das Schwungbein fliegt nach vorn, kurz bevor der Fuss aufsetzt. In genau diesem Moment wird der Muskel gedehnt, während er mit maximaler Kraft bremst. Er arbeitet gegen die eigene Verlängerung.
Das ist die verletzungsanfälligste Situation, die es in der Muskelphysiologie gibt. Fachleute nennen sie exzentrische Belastung in Länge. Und je schneller Sie laufen, desto grösser wird sie – nicht linear, sondern überproportional. Deshalb passieren die meisten Hamstring-Verletzungen nicht bei Ermüdung im langsamen Dauerlauf, sondern beim Sprint.
Am häufigsten trifft es den langen Kopf des zweiköpfigen Oberschenkelmuskels, meist im mittleren Drittel des Oberschenkels, dort wo Muskel in Sehne übergeht.
3. Wie häufig – und wen es trifft
Für Mannschaftssportarten auf dem Feld liefert eine Metaanalyse über 5952 Verletzungen aus mehr als sieben Millionen Belastungsstunden die Eckwerte [3]:
- 0,81 Verletzungen pro 1000 Stunden Sportausübung, entsprechend rund 10 Prozent aller Verletzungen.
- Im Spiel 9,4-mal häufiger als im Training.
- Mit jedem Jahr höherem Durchschnittsalter einer Gruppe steigt die Häufigkeit um 6,4 Prozent.
Der letzte Punkt ist der interessanteste, weil er das verbreitete Bild korrigiert. Hamstring-Verletzungen sind keine Angelegenheit des jugendlichen Sprinters. Eine Auswertung von Versichertendaten aus den USA über 118 197 Fälle von 2015 bis 2024 zeigt ein Durchschnittsalter von 48,7 Jahren, 49 Prozent Frauen – und eine zweigipflige Altersverteilung: anteilsmässig am stärksten betroffen sind die 15- bis 19-Jährigen, in absoluten Zahlen aber die 60- bis 64-Jährigen [4]. Die gemessene Häufigkeit stieg in diesem Zeitraum von 11,6 auf 42,8 Fälle pro 100 000 Personen.
Ein Teil dieses Anstiegs ist sicher bessere Erfassung. Aber die Botschaft bleibt: Die typische Person mit einer Hamstring-Verletzung ist nicht die Profifussballerin. Sie ist Ende vierzig, spielt am Wochenende Tennis, rutscht beim Wandern aus oder verhebt sich beim Aufheben einer Kiste.
4. Zwei Arten, sich die Hamstrings zu reissen
Die Unterscheidung klingt akademisch, ist aber für Ihre Prognose entscheidend.
Der Sprint-Typ. Hohes Tempo, plötzlicher Schmerz mitten im Oberschenkel, manchmal ein hörbares oder spürbares Schnappen. Man greift sich hinten an den Schenkel und weiss sofort Bescheid. Betroffen ist meist der zweiköpfige Oberschenkelmuskel. Diese Verletzung tut anfangs am meisten weh – und heilt in der Regel schneller.
Der Dehnungs-Typ. Hoher Tritt, Grätsche, Ausfallschritt, Spagat, eine tiefe Dehnung im Yoga, ein Sturz beim Wasserskifahren. Der Schmerz sitzt weiter oben, nahe am Sitzbeinhöcker, betroffen ist häufiger der Plattsehnenmuskel. Diese Verletzung fühlt sich anfangs oft weniger dramatisch an – und braucht deutlich länger. In den Untersuchungen von Askling und Kolleginnen lagen die Rückkehrzeiten bei diesem Typ um ein Vielfaches höher [5], [6].
Wenn Sie also mit einer «harmlosen Zerrung» nach einer Grätsche zu uns kommen und wir Ihnen sagen, dass das mehrere Monate dauern kann, ist das keine Schwarzmalerei. Es ist der Unterschied zwischen den beiden Mechanismen.
5. Die ersten Tage
Für frische Weichteilverletzungen hat sich das Merkbild PEACE & LOVE durchgesetzt [11]. Es hat das alte «PECH» abgelöst, und zwar aus einem guten Grund: Ruhigstellen war nie die Lösung, es war nur der einfachste Rat.
Die ersten Tage (PEACE): schützen – wenige Tage, nicht Wochen; hochlagern; entzündungshemmende Medikamente meiden, weil die Entzündung Teil der Heilung ist; komprimieren; und informiert werden, statt sich passiv behandeln zu lassen.
Danach (LOVE): belasten, sobald es die Schmerzen zulassen; zuversichtlich bleiben – Angst und Katastrophengedanken verzögern die Heilung messbar; Durchblutung fördern mit Bewegung, die nicht wehtut; und üben.
Praktisch heisst das in der ersten Woche:
- Gehstöcke nur, solange Sie sonst stark hinken würden – und so schnell wie möglich wieder weg.
- Gehen, so viel schmerzfrei möglich ist. Nicht sitzen bleiben.
- Kein Dehnen in den Schmerz hinein. Der Muskel ist gerade gerissen; ihn zu ziehen hilft nicht.
- Keine tiefe Massage über der verletzten Stelle in den ersten Tagen.
- Leichtes, schmerzarmes Anspannen beginnt früh – oft schon in den ersten Tagen.
Zwei einfache Angaben aus dieser Phase sagen erstaunlich viel über den weiteren Verlauf: wie stark der Schmerz im Moment der Verletzung war und wie viele Tage es dauerte, bis Sie wieder schmerzfrei gehen konnten [7]. Merken Sie sich beides – es gehört in die erste Untersuchung.
6. Was die Untersuchung leistet – und was das MRT nicht leistet
Hier liegt eines der grössten Missverständnisse dieser Verletzung.
Eine Studie an Aspetar hat geprüft, wie gut sich die Rückkehr in den Sport vorhersagen lässt. Verglichen wurden die körperliche Untersuchung durch die Physiotherapie – zu Beginn und nach einer Woche – und das MRT. Ergebnis: Die klinische Untersuchung sagte die Rückkehrzeit brauchbar voraus. Das MRT fügte nichts hinzu [7].
Besonders hartnäckig ist die Vorstellung, eine Beteiligung der Sehne im Muskelinneren bedeute automatisch eine lange Pause. Eine Untersuchung an 70 Athleten fand dafür im Mittel gerade einmal neun Tage Unterschied – 31,6 gegenüber 22,2 Tagen –, bei so starker Überlappung, dass die Autorinnen und Autoren den Wert für die einzelne Person ausdrücklich als begrenzt bezeichnen [8]. Auch die Rezidivraten unterschieden sich nicht. Und eine weitere Arbeit zeigte: Wenn im Kontroll-MRT bei der Rückkehr in den Sport noch Veränderungen zu sehen sind, heisst das nicht, dass die Rückkehr verfrüht ist – eine vollständige Ausheilung im Bild ist nicht nötig [9].
Klassifikationssysteme wie die British Athletics Muscle Injury Classification [10] beschreiben die Verletzung genau. Sie beschreiben aber, sie sagen nicht voraus.
Was folgt daraus? Nicht, dass Bildgebung nutzlos wäre. Sie ist wichtig, wenn der Verdacht auf einen vollständigen Riss oder einen knöchernen Ausriss am Sitzbein besteht – dann steht eine Operation zur Debatte [21]. Sie ist wichtig bei untypischem Verlauf. Aber sie ist kein Kalender. Wer sein MRT alle drei Wochen wiederholt, verzögert die Rückkehr eher, als dass er sie absichert, und erzeugt Verunsicherung, wo Verlaufsmessungen am Körper mehr sagen würden.
7. Warum es so oft wiederkommt
Die Zahl, die diese Verletzung berüchtigt macht, stammt aus dem Spitzensport: Bis zu einer von vier Athletinnen und Athleten verletzt sich innerhalb eines Jahres erneut – und zwar häufig in den ersten zwei Monaten nach der Rückkehr [1]. Für den Breitensport gibt es keine vergleichbar sauberen Zahlen; die Mechanismen sind aber dieselben. Wer schon einmal eine Hamstring-Verletzung hatte, trägt ein mehrfach erhöhtes Risiko für die nächste [12], [32].
Eine Untersuchung mit MRT-gesicherten Wiederverletzungen zeigt, wo und wann das passiert: an derselben Stelle und früh [13]. Das ist kein Zufall und kein Pech. Es ist ein Hinweis, dass beim ersten Mal etwas nicht fertig geworden ist.
Was genau? Vor allem dreierlei:
- Der Muskel wird nicht mehr voll abgerufen. Bei Menschen mit früherer Hamstring-Verletzung ist die Kniebeugekraft geringer und die messbare elektrische Aktivität des zweiköpfigen Oberschenkelmuskels niedriger – auf der verletzten Seite, teils Monate nach dem Ende der Behandlung [14]. Das Nervensystem hat den Muskel gewissermassen zurückgestuft.
- Der Muskel verkürzt sich strukturell. Die Muskelfaserbündel werden kürzer, was die Fähigkeit einschränkt, Kraft in Dehnung aufzunehmen – genau die Fähigkeit, die beim Sprint gebraucht wird.
- Die Belastbarkeit wurde nie wieder aufgebaut. Die häufigste Ursache ist die banalste: Die Behandlung endete, als der Schmerz endete.
Der wichtigste Satz dieses Textes steht deshalb hier: Schmerzfreiheit ist der Anfang der Rehabilitation, nicht ihr Ende.
8. Was die Rehabilitation wirksam macht
8.1 Krafttraining – und zwar in Länge
Kraft ist der Kern. Aber nicht jede Kraftübung leistet dasselbe, und das ist gut untersucht.
Eine kontrollierte Studie hat zwei Trainingsformen über zehn Wochen verglichen: den Nordic Hamstring – das langsame Vorneigen aus dem Kniestand mit fixierten Füssen – und exzentrisches Training in gedehnter Position, also Übungen mit gebeugter Hüfte wie das rumänische Kreuzheben. Beide funktionieren, aber sie bauen unterschiedliche Teile auf [15]:
- Gesamtvolumen der Hamstrings: 18 Prozent Zuwachs beim Training in Länge, 11 Prozent beim Nordic Hamstring.
- Langer Kopf des zweiköpfigen Oberschenkelmuskels – die am häufigsten verletzte Stelle: 19 gegenüber 5 Prozent.
- Umgekehrt war der Nordic Hamstring dort überlegen, wo Muskeln nur das Knie beugen, ohne die Hüfte zu strecken.
Die Schlussfolgerung ist nicht «Nordic Hamstring ist schlecht», sondern: Wer nur eine Übung macht, trainiert nur einen Teil. Ein brauchbares Programm enthält knie-dominante Übungen (Beinbeugen, Nordic) und hüft-dominante Übungen (Kreuzheben, Brücke, Hüftstrecken) – so ist es auch im Aspetar-Pfad angelegt [1]. Dazu die Nachbarn: Gesässmuskel und grosser Anziehmuskel arbeiten mit.
Die Dosis, wie sie sich aus dem Pfad und der Trainingslehre ableiten lässt: zwei bis fünf Einheiten pro Woche je nach Phase, drei bis fünf Sätze, in der Aufbauphase 8 bis 15 Wiederholungen, später schwerer und weniger. Zwischen fordernden Einheiten mindestens 48 Stunden. Und immer beide Beine.
8.2 Dehnungsbetonte Übungen – wirksam, aber ohne Eile
Zwei randomisierte Studien der Gruppe um Carl Askling haben eine schwedische Übungsfolge geprüft, die den Muskel gezielt in seiner Länge belastet – nicht statisches Dehnen, sondern kontrollierte Bewegungen unter Spannung («Extender», «Diver», «Glider»).
Bei 75 Fussballern der schwedischen Eliteliga kehrte die Gruppe mit diesem Protokoll im Mittel nach 28 Tagen ins volle Mannschaftstraining zurück, die Vergleichsgruppe mit konventionellen Übungen nach 51 Tagen [5]. Bei 56 Sprinterinnen, Sprintern und Springern lauteten die Zahlen 49 gegenüber 86 Tagen [6]. Das sind grosse Unterschiede.
Naheliegende Folgefrage: Wenn diese Übungen so gut wirken – hilft es, sie noch früher zu beginnen? Eine randomisierte Studie an 90 männlichen Athleten hat genau das geprüft und fand keinen Unterschied: 23 gegenüber 33 Tagen bis zur Rückkehr, statistisch nicht bedeutsam, und auch keine unterschiedlichen Rezidivraten [16].
Das ist eine nützliche Entwarnung. Diese Übungen gehören ins Programm – aber Sie müssen nicht am dritten Tag damit anfangen, und Sie haben nichts verpasst, wenn Sie es nicht getan haben.
8.3 Rumpf, Becken und Bewegungsmuster
Die eindrücklichste Zahl in diesem Feld ist zwanzig Jahre alt und stammt aus einer kleinen Studie – klein genug, dass man die absoluten Zahlen kennen sollte, bevor man sie zitiert.
Sherry und Best teilten Athletinnen und Athleten mit frischer Hamstring-Verletzung in zwei Programme: einerseits statisches Dehnen mit isoliertem Krafttraining für die Oberschenkelrückseite, andererseits ein Programm mit ansteigender Bewegungsschulung und Rumpfstabilisation. Innerhalb eines Jahres verletzten sich in der ersten Gruppe 7 von 10 erneut, in der zweiten 1 von 13 [17].
Bei diesen Gruppengrössen ist die genaue Zahl mit Vorsicht zu geniessen. Die Richtung ist seither aber vielfach bestätigt worden und hat sich in allen Leitlinien niedergeschlagen [22]: Isoliertes Kräftigen der verletzten Muskelgruppe reicht nicht. Wie Becken und Rumpf beim Laufen arbeiten, entscheidet mit darüber, wie stark die Hamstrings gedehnt werden. Eine nach vorn gekippte Beckenstellung und ein zu weiter Schritt erhöhen die Zugbelastung – unabhängig davon, wie kräftig der Muskel ist.
8.4 Laufen ist Teil der Behandlung, nicht ihr Ziel
Der häufigste Fehler in der Praxis: Laufen wird als Belohnung ans Ende gestellt. Im Aspetar-Pfad ist es das Gegenteil – Laufen beginnt früh und in kleinen Dosen, damit eine Grundbelastung überhaupt vorhanden ist, wenn später Tempo dazukommt [1].
Der Grund liegt in einem doppelten Befund aus der Belastungsforschung: Sowohl plötzliche Sprünge in der Menge an schnellem Laufen als auch zu wenig Grundbelastung über Wochen erhöhen das Risiko [29]. In einer Untersuchung an gälischen Fussballern hatten Spieler mit hoher chronischer Trainingslast und regelmässiger Sprintexposition das niedrigste Verletzungsrisiko [30].
Übersetzt: Sprinten schützt vor Sprintverletzungen – wenn man es regelmässig und aufbauend tut. Wer sechs Wochen nicht schneller als Joggingtempo unterwegs war und dann im Spiel einem Ball nachjagt, hat den grössten Sprung seiner Rehabilitation ungeplant und unbeaufsichtigt gemacht.
Eine tägliche Verlaufsuntersuchung an 131 akuten Hamstring-Verletzungen zeigte entsprechend, dass sich die klinischen Befunde eng mit dem Fortschritt beim Lauftempo bewegen [28]. Das Tempo ist damit selbst ein Messwert – nicht nur das Ziel.
8.5 Wie viel Schmerz ist erlaubt?
Eine doppelblinde randomisierte Studie hat 43 Personen nach akuter Hamstring-Verletzung entweder streng schmerzfrei oder bis an die Schmerzgrenze trainieren lassen – bei sonst identischem Programm [18]. Ergebnis:
- Kein Unterschied bei der Rückkehr in den Sport: 15 gegenüber 17 Tagen.
- Aber: Die Gruppe, die bis an die Schmerzgrenze trainierte, erreichte mehr Kraft und hielt die Länge der Muskelfaserbündel besser.
Etwas Schmerz beim Üben ist also nicht schädlich und verschafft sogar Vorteile bei den Grössen, die für das Rückfallrisiko zählen. Der internationale Konsens formuliert es so: Die zulässige Schmerzgrenze hängt von der Aktivität ab – für Sprinten aber gilt Schmerzfreiheit als Voraussetzung [20].
Als praktische Regel arbeiten wir mit Schmerz während der Übung bis etwa 3 bis 4 von 10 in der Aufbauphase, absteigend gegen null, je näher es an Tempo geht – vorausgesetzt, der Schmerz beruhigt sich innert 24 Stunden auf das Ausgangsniveau.
9. Rehabilitation in Phasen statt nach Kalender
Der Aspetar-Pfad gliedert die Rehabilitation in sechs Phasen, und der Wechsel zwischen ihnen hängt nicht vom Datum ab, sondern von erfüllten Kriterien [1]:
- Foundation – heilen und wiederherstellen: schmerzarme Grundübungen, isometrisches Anspannen, Radfahren.
- Reload – Kraft und Bewegung neu aufbauen: erstes Joggen, Lauf-ABC, Sprungvorbereitung.
- Accumulation – Kraft und Laufmenge: richtiges Laufen beginnt, dazu Schnellkraft.
- Transition – hohes Tempo und sportartspezifische Übungsformen.
- Simulation – Spielsituationen mit voller Intensität und Menge.
- Resilience – die Phase nach der Rückkehr, in der weitertrainiert wird.
Beispiele für die Kriterien: Um die erste Phase zu verlassen, sollen die Beschwerden bei Belastung höchstens 4 von 10 betragen und drei saubere Wiederholungen von Kniebeuge, Brücke, gestrecktem Beinheben und Fersenheben möglich sein. In der zweiten Phase liegt die Grenze bei 2 von 10 und die Kraft der verletzten Seite bei mindestens 50 Prozent der gesunden. Später steigen die Anforderungen auf 80, dann 95 Prozent Seitengleichheit, dazu kommen Sprungtests und schliesslich über 95 Prozent der persönlichen Höchstgeschwindigkeit und zwei Belastungen auf dem Niveau der härtesten Spielabschnitte.
Von 32 eingeladenen Fachpersonen aus dem Spitzensport beurteilten 24 den Pfad; die Zustimmung lag insgesamt bei 92 Prozent [1].
Jetzt der Vorbehalt, und er ist wichtig. Die Veröffentlichung enthält keine Ergebnisdaten – keine Rückkehrzeiten, keine Rezidivraten. Was hier gemessen wurde, ist die Zustimmung von Fachleuten, nicht die Wirksamkeit. Die Autorinnen und Autoren schreiben das selbst deutlich hin: Der Pfad soll klinisches Denken unterstützen, nicht ersetzen, und ist kein starres Protokoll [1]. Ausserdem ist er für Profis geschrieben, die täglich mehrere Stunden zur Verfügung haben, mit Labor, Kraftmessplatten und GPS-Daten.
Was davon für Sie bleibt, ist trotzdem viel – nämlich das Prinzip. Kriterien statt Kalender. Vorher festlegen, was erfüllt sein muss, statt hinterher zu diskutieren. Und die Erkenntnis, dass zwischen «kann wieder joggen» und «kann wieder sprinten» drei Phasen liegen, nicht keine. Die Messungen lassen sich ohne Labor abbilden: Kraftvergleich mit einem Handdynamometer, Beweglichkeit gemessen mit einer Neigungsmessung, die Zahl der Wiederholungen bei der einbeinigen erhöhten Brücke, das Lauftempo mit einer einfachen Uhr.
10. Wann sind Sie wieder bereit?
Es gibt keinen einzelnen Test, der das entscheidet. Eine systematische Übersicht über die verwendeten Kriterien kommt zum Schluss, dass die Praxis uneinheitlich ist und in fast allen Studien letztlich das Schmerzempfinden die Freigabe steuerte – was zu wenig ist [19]. Am niedrigsten waren die Rezidivraten dort, wo ein standardisierter Test unter Dehnung eingesetzt wurde.
Eine brauchbare Kriterienliste für den Alltag:
- Kein Druckschmerz mehr über der verletzten Stelle.
- Beweglichkeit und Kraft der verletzten Seite bei mindestens 95 Prozent der gesunden – gemessen, nicht geschätzt, und in mehreren Winkeln (Knie fast gestreckt, mittlere Stellung, Hüfte gebeugt).
- Einbeinige erhöhte Brücke: mindestens 25 saubere Wiederholungen [33].
- Sprinten bei annähernd persönlicher Höchstgeschwindigkeit, mehrfach, schmerzfrei – und am Folgetag beschwerdefrei.
- Die sportartspezifischen Bewegungen sind geübt: abbremsen, Richtung wechseln, schiessen, springen.
- Sie zögern nicht mehr. Wer beim Antritt unbewusst bremst, ist noch nicht so weit – und wird durch das Bremsen selbst gefährdet.
Der letzte Punkt wird regelmässig unterschätzt. Die Angst vor der nächsten Verletzung ist ein eigenständiger Faktor, und sie lässt sich behandeln – am besten durch abgestufte, erfolgreiche Belastungserfahrungen.
11. Was wenig oder nichts bringt
Blutplättchenreiche Injektionen (PRP). Die methodisch beste Studie – doppelblind, placebokontrolliert – fand keinen Vorteil bei der Rückkehr in den Sport [27]. Neuere Zusammenfassungen deuten teilweise auf eine leichte Verkürzung hin, beruhen aber auf Studien geringer bis mittlerer Qualität. Kein Verfahren, für das man Geld ausgeben oder Zeit verlieren müsste.
Statisches Dehnen als Behandlung. Als alleiniges Programm hat es in der Vergleichsstudie deutlich schlechter abgeschnitten [17]. Beweglichkeit ist ein Ziel, aber sie entsteht besser über Belastung in Länge als über Ziehen.
Massage, Ultraschall, Elektrotherapie und ähnliche passive Anwendungen. Sie können angenehm sein und im Einzelfall begleitend sinnvoll. Als Hauptbehandlung ersetzen sie kein Training. Mehr dazu in unserem Beitrag Massage.
Die Freigabe nach Bild. Ein Kontroll-MRT, das noch Veränderungen zeigt, ist kein Grund weiterzuwarten [9]. Umgekehrt ist ein unauffälliges Bild kein Freibrief, wenn die Kraft fehlt.
12. Vorbeugen: was tatsächlich wirkt
Die bekannteste Zahl stammt aus einer Metaanalyse über 8459 Sportlerinnen und Sportler: Programme, die den Nordic Hamstring enthalten, halbieren die Rate an Hamstring-Verletzungen [23]. Diese Zahl wurde später methodisch angegriffen – eine Neuberechnung kam zum Schluss, dass die Wirkung wegen Publikationsverzerrung und heterogener Ergebnisse nicht gesichert sei [24].
Eine aktuelle Metaanalyse über 15 Studien mit 7465 Teilnehmenden bringt beide Lager zusammen und liefert dabei die eigentlich entscheidende Erkenntnis [25]:
- Insgesamt 49 Prozent weniger Verletzungen durch bewegungsbasierte Vorbeugung.
- Bei einer Programmtreue von mindestens 75 Prozent: 64 Prozent weniger.
- Bei niedriger Programmtreue: kein nennenswerter Effekt.
Damit ist die Debatte im Grunde entschieden – und zwar nicht zugunsten einer Übung, sondern zugunsten der Regelmässigkeit. Wie realistisch das ist, zeigt eine Erhebung an 50 Profivereinen: Von 150 untersuchten Vereinsjahren wurde das Programm nur in 10,7 Prozent vollständig durchgeführt [26]. Wenn Spitzenvereine mit Vollzeitpersonal daran scheitern, ist es keine Frage des Willens, sondern der Planung.
Was ein sinnvolles Vorbeugeprogramm enthält:
- Exzentrische Kraft für die Oberschenkelrückseite, zweimal wöchentlich, ganzjährig – knie- und hüftdominant [15].
- Regelmässige Sprintexposition, aufbauend statt sprunghaft [29], [30].
- Rumpf- und Beckenkontrolle sowie Lauftechnik [17].
- Belastungssteuerung: keine plötzlichen Sprünge in Umfang oder Tempo nach Pausen, Ferien oder Krankheit.
Wie sich Belastungen in Summe aufschaukeln, können Sie in unserem Lernspiel Randvoll ausprobieren; wie eine Sehne Energie speichert und zurückgibt, zeigt Federkraft.
13. Zwei Sonderfälle, die oft verwechselt werden
13.1 Schmerz direkt am Sitzbein: die proximale Hamstring-Tendinopathie
Ein anderes Krankheitsbild, das häufig als «Zerrung» fehlgedeutet wird. Kennzeichen: ein tief sitzender Schmerz genau am Sitzbeinhöcker, der sich allmählich entwickelt hat, beim Sitzen schlimmer wird – besonders auf harten Flächen und beim Autofahren – und beim Bergauflaufen, bei Ausfallschritten oder tiefen Dehnungen zunimmt [31].
Hier ist die Sehne über Monate überlastet worden, nicht in einem Moment gerissen. Zwei Punkte machen den Unterschied in der Behandlung:
- Kompression meiden. Alles, was die Sehne gegen den Knochen presst – tiefe Dehnungen mit gebeugter Hüfte, langes Sitzen, Dehnübungen «bis es zieht» – verschlimmert das Bild. Ausgerechnet das, was man intuitiv tut.
- Schrittweise belasten. Beginn mit isometrischem Halten, dann schweres, langsames Krafttraining, später Sprung- und Laufbelastung. Rechnen Sie mit drei bis sechs Monaten.
13.2 Der knöcherne Ausriss und der vollständige Sehnenriss
Bei Jugendlichen im Wachstum kann die Sehne mit einem Knochenstück am Sitzbein ausreissen – typisch beim Antritt oder beim Hürdenlauf, mit sofortigem, sehr starkem Schmerz und der Unfähigkeit, weiterzumachen. Bei Erwachsenen gibt es den vollständigen Abriss der Sehne vom Sitzbein, klassisch beim Wasserskifahren oder bei einem Sturz mit gestrecktem Knie und gebeugter Hüfte. Hinweise sind ein ausgedehnter Bluterguss über die ganze Rückseite, eine tastbare Delle und deutliche Kraftlosigkeit.
Das sind die Fälle, in denen Bildgebung rasch nötig ist und eine Operation zur Diskussion steht – der internationale Konsens nennt dafür klare Kriterien [21]. Zeit spielt hier eine Rolle. Wenn Ihre Verletzung so klingt, gehören Sie zeitnah abgeklärt und nicht in ein abwartendes Heimprogramm.
14. Ein realistischer Zeitplan
Orientierungswerte für eine unkomplizierte Verletzung vom Sprint-Typ. Beim Dehnungs-Typ und nach Verletzungen nahe am Sitzbein dauert alles deutlich länger – teils um ein Mehrfaches.
- Tag 0 bis 3: schützen, hochlagern, komprimieren, schmerzfrei gehen. Keine entzündungshemmenden Medikamente als Routine. Kein Dehnen.
- Woche 1: schmerzarmes Anspannen, Beweglichkeit im schmerzfreien Bereich, Rumpf- und Hüftübungen, Radfahren. Erste Messungen als Ausgangswert.
- Woche 1 bis 3: Krafttraining beginnt in kleiner Dosis und wird gesteigert; Joggen und Lauf-ABC kommen dazu, sobald schmerzfrei möglich.
- Woche 3 bis 6: die eigentliche Trainingsphase. Schwerer werdende Kraft, Sprungübungen, ansteigendes Lauftempo. Hier entscheidet sich das meiste.
- Woche 5 bis 8: Tempo gegen die persönliche Höchstgeschwindigkeit, Richtungswechsel, sportartspezifische Formen. Rückkehr, sobald die Kriterien erfüllt sind – nicht vorher.
- Die ersten zwei Monate nach der Rückkehr: die gefährlichste Zeit [13]. Krafttraining läuft weiter, mindestens zweimal wöchentlich.
- Danach: zweimal wöchentlich exzentrische Kraft als Dauereinrichtung. Das ist kein Rehabilitationsprogramm mehr, sondern Ihr neues Normal.
15. Sechs verbreitete Missverständnisse
«Wenn es nicht mehr wehtut, ist es geheilt.»
Kraft und Ansteuerung bleiben messbar vermindert, auch wenn der Schmerz weg ist [14]. Und wenn es wieder passiert, dann typischerweise an derselben Stelle und früh nach der Rückkehr [13].
«Ein MRT sagt mir, wie lange ich ausfalle.»
Die klinische Untersuchung sagt die Rückkehr ebenso gut voraus; das MRT fügt nichts hinzu [7]. Auch eine Sehnenbeteiligung im Bild erlaubt keine brauchbare Vorhersage [8].
«Ich muss den Muskel dehnen, damit er nicht wieder reisst.»
Statisches Dehnen als Programm schnitt schlechter ab als Bewegungsschulung mit Rumpfstabilisation [17]. Was schützt, ist Kraft in gedehnter Position – Belastung, nicht Ziehen [15].
«Sprinten ist gefährlich, das lasse ich lieber.»
Genau umgekehrt: Regelmässige Sprintexposition bei gut aufgebauter Grundbelastung senkt das Risiko [30]. Gefährlich ist der plötzliche Sprung nach langer Pause [29].
«Beim Üben darf es nicht wehtun.»
Training bis an die Schmerzgrenze verzögerte die Rückkehr nicht und führte zu mehr Kraft und besserem Erhalt der Muskelfaserlänge [18]. Für Sprinttempo gilt Schmerzfreiheit allerdings weiterhin [20].
«Nordic Hamstring ist die eine Übung, die man braucht.»
Sie ist wirksam, aber unvollständig: Beim langen Kopf des zweiköpfigen Oberschenkelmuskels – der am häufigsten verletzten Stelle – brachte Training in gedehnter Position 19 Prozent Zuwachs gegenüber 5 Prozent [15]. Entscheidend ist ohnehin nicht die Übungsauswahl, sondern die Regelmässigkeit [25].
16. Wann Sie sich melden sollten
Rasch ärztlich abklären lassen:
- Ein sehr starker, plötzlicher Schmerz am Sitzbein mit Kraftverlust, ausgedehntem Bluterguss oder tastbarer Delle – Verdacht auf vollständigen Sehnenriss oder knöchernen Ausriss.
- Dasselbe Bild bei Jugendlichen im Wachstum.
- Taubheit, Kribbeln oder ausstrahlende Schmerzen ins Bein – dann ist die Ursache möglicherweise nicht der Muskel.
- Neu aufgetretene Wadenschmerzen mit einseitiger Schwellung, Atemnot oder Brustschmerz – Verdacht auf Thrombose oder Lungenembolie.
- Fieber, Rötung, Überwärmung.
In der Physiotherapie ansprechen:
- Es ist bereits die zweite oder dritte Verletzung derselben Stelle.
- Der Schmerz sitzt genau am Sitzbein und wird beim Sitzen schlimmer.
- Nach zwei bis drei Wochen bessert sich nichts mehr.
- Sie sollen zurück in den Sport, aber es wurde nie etwas gemessen.
- Sie trauen dem Bein beim Antritt nicht.
- Ihr Programm besteht seit Wochen aus denselben Übungen mit demselben Gewicht.
Was Sie in unserer Praxis erwartet: eine Ausgangsmessung – Druckschmerz und seine Ausdehnung, Beweglichkeit im Vergleich zur Gegenseite, Kraft in mehreren Gelenkstellungen, Wiederholungen bei der einbeinigen Brücke, Bewegungsqualität bei Kniebeuge und Hüftbeuge –, daraus ein Programm mit festgelegten Übergangskriterien, ein Heimprogramm für die Zeit zwischen den Terminen und regelmässige Nachmessungen. Bevor Sie zurück in den Sport gehen, gehen Sie zurück auf die Laufbahn.
17. Zusammengefasst
Eine Hamstring-Verletzung ist keine ernste Verletzung – und trotzdem eine der ärgerlichsten, die es gibt. Nicht weil sie schlecht heilt, sondern weil sie so zuverlässig wiederkommt, wenn man sie für geheilt hält.
Was die Studienlage dazu sagt, ist ungewöhnlich einig. Die klinische Untersuchung führt, nicht das Bild [7]. Belastung beginnt früh, nicht spät [11]. Kraft wird in gedehnter Position aufgebaut, knie- und hüftdominant [15]. Rumpf, Becken und Lauftechnik gehören dazu [17]. Etwas Schmerz beim Üben ist erlaubt, beim Sprinten nicht [18], [20]. Die Freigabe erfolgt nach Kriterien, nicht nach Kalender [1]. Und danach hört das Krafttraining nicht auf – denn was wirkt, wirkt nur, solange man es tut [25].
Für die meisten Menschen sind das zwei Trainingseinheiten pro Woche, ein halbes Jahr lang ernsthaft und danach dauerhaft. Das ist der ganze Preis dafür, dass Woche sechs nicht wieder auf dem Rasen endet.
Literatur
Alle Digital Object Identifier (DOI) wurden einzeln gegen das Crossref-Register geprüft. Die Links im Literaturverzeichnis führen über den DOI-Dienst zu den Verlagsseiten. Diese liegen teilweise ausserhalb der Schweiz und der EU. Beim Anklicken wird Ihre IP-Adresse an den jeweiligen Anbieter übermittelt – auf unserer Seite selbst geschieht das nicht.
[1] Simpson D, Wallace S, King E, McKeever H, Whiteley R. The Aspetar Hamstring Injury Rehabilitation Pathway. JOSPT Open. 2026;4(3):340–353. https://doi.org/10.2519/josptopen.2026.0213
[2] Ekstrand J, Bengtsson H, Waldén M, Davison M, Khan KM, Hägglund M. Hamstring injury rates have increased during recent seasons and now constitute 24% of all injuries in men's professional football: the UEFA Elite Club Injury Study from 2001/02 to 2021/22. British Journal of Sports Medicine. 2023;57(5):292–298. https://doi.org/10.1136/bjsports-2021-105407
[3] Maniar N, Carmichael DS, Hickey JT, et al. Incidence and prevalence of hamstring injuries in field-based team sports: a systematic review and meta-analysis of 5952 injuries from over 7 million exposure hours. British Journal of Sports Medicine. 2023;57(2):109–116. https://doi.org/10.1136/bjsports-2021-104936
[4] Florentino SA, Sangvhi P, Adelstein JM, et al. Increased Incidence of Hamstring Injuries in the United States From 2015 to 2024 and Projected Growth Through 2030. Arthroscopy, Sports Medicine, and Rehabilitation. 2025;7(6):101295. https://doi.org/10.1016/j.asmr.2025.101295
[5] Askling CM, Tengvar M, Thorstensson A. Acute hamstring injuries in Swedish elite football: a prospective randomised controlled clinical trial comparing two rehabilitation protocols. British Journal of Sports Medicine. 2013;47(15):953–959. https://doi.org/10.1136/bjsports-2013-092165
[6] Askling CM, Tengvar M, Tarassova O, Thorstensson A. Acute hamstring injuries in Swedish elite sprinters and jumpers: a prospective randomised controlled clinical trial comparing two rehabilitation protocols. British Journal of Sports Medicine. 2014;48(7):532–539. https://doi.org/10.1136/bjsports-2013-093214
[7] Jacobsen P, Witvrouw E, Muxart P, Tol JL, Whiteley R. A combination of initial and follow-up physiotherapist examination predicts physician-determined time to return to play after hamstring injury, with no added value of MRI. British Journal of Sports Medicine. 2016;50(7):431–439. https://doi.org/10.1136/bjsports-2015-095073
[8] van der Made AD, Almusa E, Whiteley R, et al. Intramuscular tendon involvement on MRI has limited value for predicting time to return to play following acute hamstring injury. British Journal of Sports Medicine. 2018;52(2):83–88. https://doi.org/10.1136/bjsports-2017-097659
[9] Vermeulen R, Almusa E, Buckens S, et al. Complete resolution of a hamstring intramuscular tendon injury on MRI is not necessary for a clinically successful return to play. British Journal of Sports Medicine. 2021;55(7):397–402. https://doi.org/10.1136/bjsports-2019-101808
[10] Pollock N, James SLJ, Lee JC, Chakraverty R. British athletics muscle injury classification: a new grading system. British Journal of Sports Medicine. 2014;48(18):1347–1351. https://doi.org/10.1136/bjsports-2013-093302
[11] Dubois B, Esculier JF. Soft-tissue injuries simply need PEACE and LOVE. British Journal of Sports Medicine. 2020;54(2):72–73. https://doi.org/10.1136/bjsports-2019-101253
[12] de Visser HM, Reijman M, Heijboer MP, Bos PK. Risk factors of recurrent hamstring injuries: a systematic review. British Journal of Sports Medicine. 2012;46(2):124–130. https://doi.org/10.1136/bjsports-2011-090317
[13] Wangensteen A, Tol JL, Witvrouw E, et al. Hamstring Reinjuries Occur at the Same Location and Early After Return to Sport: A Descriptive Study of MRI-Confirmed Reinjuries. The American Journal of Sports Medicine. 2016;44(8):2112–2121. https://doi.org/10.1177/0363546516646086
[14] Opar DA, Williams MD, Timmins RG, Dear NM, Shield AJ. Knee flexor strength and bicep femoris electromyographical activity is lower in previously strained hamstrings. Journal of Electromyography and Kinesiology. 2013;23(3):696–703. https://doi.org/10.1016/j.jelekin.2012.11.004
[15] Maeo S, Balshaw TG, Nin DZ, et al. Hamstrings Hypertrophy Is Specific to the Training Exercise: Nordic Hamstring versus Lengthened State Eccentric Training. Medicine & Science in Sports & Exercise. 2024;56(10):1893–1905. https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000003490
[16] Vermeulen R, Whiteley R, van der Made AD, et al. Early versus delayed lengthening exercises for acute hamstring injury in male athletes: a randomised controlled clinical trial. British Journal of Sports Medicine. 2022;56(14):792–800. https://doi.org/10.1136/bjsports-2020-103405
[17] Sherry MA, Best TM. A Comparison of 2 Rehabilitation Programs in the Treatment of Acute Hamstring Strains. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2004;34(3):116–125. https://doi.org/10.2519/jospt.2004.34.3.116
[18] Hickey JT, Timmins RG, Maniar N, et al. Pain-Free Versus Pain-Threshold Rehabilitation Following Acute Hamstring Strain Injury: A Randomized Controlled Trial. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2020;50(2):91–103. https://doi.org/10.2519/jospt.2020.8895
[19] Hickey JT, Timmins RG, Maniar N, Williams MD, Opar DA. Criteria for Progressing Rehabilitation and Determining Return-to-Play Clearance Following Hamstring Strain Injury: A Systematic Review. Sports Medicine. 2017;47(7):1375–1387. https://doi.org/10.1007/s40279-016-0667-x
[20] Paton BM, Read P, van Dyk N, et al. London International Consensus and Delphi study on hamstring injuries part 3: rehabilitation, running and return to sport. British Journal of Sports Medicine. 2023;57(5):278–291. https://doi.org/10.1136/bjsports-2021-105384
[21] Plastow R, Kerkhoffs GMMJ, Wood D, et al. London International Consensus and Delphi study on hamstring injuries part 2: operative management. British Journal of Sports Medicine. 2023;57(5):266–277. https://doi.org/10.1136/bjsports-2021-105383
[22] Martin RL, Cibulka MT, Bolgla LA, et al. Hamstring Strain Injury in Athletes: Clinical Practice Guidelines Linked to the International Classification of Functioning, Disability and Health. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2022;52(3):CPG1–CPG44. https://doi.org/10.2519/jospt.2022.0301
[23] van Dyk N, Behan FP, Whiteley R. Including the Nordic hamstring exercise in injury prevention programmes halves the rate of hamstring injuries: a systematic review and meta-analysis of 8459 athletes. British Journal of Sports Medicine. 2019;53(21):1362–1370. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-100045
[24] Impellizzeri FM, McCall A, van Smeden M. Why methods matter in a meta-analysis: a reappraisal showed inconclusive injury preventive effect of Nordic hamstring exercise. Journal of Clinical Epidemiology. 2021;140:111–124. https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2021.09.007
[25] Gu J, Li Y, Wang Y, Zhang Y. Intervention components, training dose, and adherence in exercise-based prevention of hamstring strain injury in football: a systematic review and meta-analysis. Annals of Medicine. 2026;58(1):2652116. https://doi.org/10.1080/07853890.2026.2652116
[26] Bahr R, Thorborg K, Ekstrand J. Evidence-based hamstring injury prevention is not adopted by the majority of Champions League or Norwegian Premier League football teams: the Nordic Hamstring survey. British Journal of Sports Medicine. 2015;49(22):1466–1471. https://doi.org/10.1136/bjsports-2015-094826
[27] Reurink G, Goudswaard GJ, Moen MH, et al. Platelet-Rich Plasma Injections in Acute Muscle Injury. New England Journal of Medicine. 2014;370(26):2546–2547. https://doi.org/10.1056/NEJMc1402340
[28] Whiteley R, van Dyk N, Wangensteen A, Hansen C. Clinical implications from daily physiotherapy examination of 131 acute hamstring injuries and their association with running speed and rehabilitation progression. British Journal of Sports Medicine. 2018;52(5):303–310. https://doi.org/10.1136/bjsports-2017-097616
[29] Duhig S, Shield AJ, Opar D, Gabbett TJ, Ferguson C, Williams M. Effect of high-speed running on hamstring strain injury risk. British Journal of Sports Medicine. 2016;50(24):1536–1540. https://doi.org/10.1136/bjsports-2015-095679
[30] Malone S, Roe M, Doran DA, Gabbett TJ, Collins K. High chronic training loads and exposure to bouts of maximal velocity running reduce injury risk in elite Gaelic football. Journal of Science and Medicine in Sport. 2017;20(3):250–254. https://doi.org/10.1016/j.jsams.2016.08.005
[31] Goom TS, Malliaras P, Reiman MP, Purdam CR. Proximal Hamstring Tendinopathy: Clinical Aspects of Assessment and Management. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2016;46(6):483–493. https://doi.org/10.2519/jospt.2016.5986
[32] Green B, Bourne MN, van Dyk N, Pizzari T. Recalibrating the risk of hamstring strain injury (HSI): a 2020 systematic review and meta-analysis of risk factors for index and recurrent hamstring strain injury in sport. British Journal of Sports Medicine. 2020;54(18):1081–1088. https://doi.org/10.1136/bjsports-2019-100983
[33] Freckleton G, Cook J, Pizzari T. The predictive validity of a single leg bridge test for hamstring injuries in Australian Rules Football players. British Journal of Sports Medicine. 2014;48(8):713–717. https://doi.org/10.1136/bjsports-2013-092356