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Selbstwirksamkeit in der Physiotherapie: Anleitung für die Sitzung

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Selbstwirksamkeit in der Physiotherapie: Anleitung für die Sitzung

Wie Sie das Zutrauen Ihrer Patientinnen und Patienten erfassen, in der Behandlung gezielt stärken und im Bericht festhalten. Für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie zuweisende Ärztinnen und Ärzte.

Für Fachpersonen · Stand Oktober 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten, mit Vertiefungen ca. 12 Minuten · alle DOI einzeln geprüft

1. Warum sich der Blick auf Selbstwirksamkeit lohnt

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung einer Person, ein bestimmtes Verhalten auch unter Schwierigkeiten ausführen zu können [1]. Bei lang anhaltenden Schmerzen gehört sie zu den Merkmalen, die den Verlauf am besten voraussagen. In einer Kohorte aus der Hausarztpraxis wurden 20 psychologische Merkmale verglichen. Im gemeinsamen Modell blieben vier als Prädiktoren der Einschränkung nach sechs Monaten übrig, darunter die schmerzbezogene Selbstwirksamkeit [2].

Sie lässt sich in jeder Sitzung mit wenig Aufwand erfassen und gezielt ansprechen. Das unterscheidet sie von vielen anderen Prognosefaktoren wie Alter, Dauer der Beschwerden oder Bildgebung. Behandlungen, die auf Bewegung und Zutrauen setzen, verändern sie messbar. Für die Cognitive Functional Therapy bei chronischen Rückenschmerzen fand eine Metaanalyse mit hoher Vertrauenswürdigkeit einen Zuwachs der schmerzbezogenen Selbstwirksamkeit [3].

Vertiefung: Was die Studien zeigen und was nicht

Zusammenhang mit dem Verlauf. Eine Metaanalyse von 86 Stichproben mit 15'616 Personen mit chronischen Schmerzen fand negative Zusammenhänge zwischen Selbstwirksamkeit und Einschränkung, emotionaler Belastung und Schmerzintensität [4]. Die Zusammenhänge blieben in prospektiven Studien bestehen, die den Ausgangswert des jeweiligen Outcomes kontrollierten. Die Heterogenität war beträchtlich. Der Inhalt der Skala moderierte den Zusammenhang mit der Einschränkung, ebenso Alter, Schmerzdauer und die Art der Messung (Selbstauskunft oder Leistungstest). Eine systematische Übersicht über 27 Längsschnittstudien bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen kam zu ähnlichen Ergebnissen, bei niedriger Qualität der eingeschlossenen Studien [5].

Mediation. Eine Metaanalyse von 12 Mediationsstudien mit 2'961 Personen mit Rücken- oder Nackenschmerzen fand, dass Selbstwirksamkeit einen Teil des Effekts von Schmerz auf Einschränkung vermittelt (standardisiertes β 0,23; 95-%-KI 0,10–0,34) [6]. Psychische Belastung (β 0,10) und Angst (β 0,08) vermittelten kleinere Anteile, Katastrophisieren keinen gesicherten. In der RESTORE-Studie zur Cognitive Functional Therapy erklärten frühe Veränderungen von Selbstwirksamkeit, Angst, Katastrophisieren und Schmerzintensität zusammen bis zu 61 Prozent des Effekts auf die Einschränkung [7].

Grenzen. Die meisten Daten sind Beobachtungsdaten. Mediationsanalysen beruhen auf Annahmen über die zeitliche und kausale Ordnung, die das Studiendesign nur teilweise sichert. Ob eine gezielte Steigerung der Selbstwirksamkeit allein den Verlauf verbessert, ist nicht direkt gezeigt. Die RESTORE-Analyse schätzte die vier Mediatoren gemeinsam. Welcher Anteil auf die Selbstwirksamkeit allein entfällt, lässt sich daraus nicht ablesen [7].

2. Was erfasst wird: Zutrauen zu einer bestimmten Aufgabe

Bandura unterscheidet zwei Erwartungen [1]. Die Wirksamkeitserwartung betrifft die Frage, ob eine Person ein Verhalten ausführen kann. Die Ergebniserwartung betrifft die Frage, ob dieses Verhalten zum gewünschten Ergebnis führt. Eine Patientin kann überzeugt sein, dass Gehen ihrem Rücken guttut, und sich trotzdem nicht zutrauen, täglich zu gehen. Beide Erwartungen brauchen dann ein anderes Vorgehen.

Selbstwirksamkeit ist aufgabenbezogen. Fragen Sie deshalb nach einer konkreten Tätigkeit unter konkreten Bedingungen. «Wie sicher sind Sie, dass Sie diese Woche dreimal 15 Minuten gehen, auch an einem Tag mit stärkeren Schmerzen?» sagt mehr als «Trauen Sie sich Bewegung zu?».

Vertiefung: Banduras Modell

Bandura beschreibt drei Dimensionen der Wirksamkeitserwartung [1]. Das Niveau gibt an, bis zu welcher Schwierigkeit sich eine Person eine Aufgabe zutraut. Die Stärke gibt an, wie fest diese Erwartung gegenüber widersprechenden Erfahrungen ist. Die Generalität gibt an, wie weit sie auf andere Situationen übertragen wird.

Als Quellen nennt er vier Informationen [1]:

  • Eigene Leistungserfahrungen (mastery). Die stärkste Quelle. Erfolge stärken die Erwartung, wiederholte Misserfolge schwächen sie, besonders früh im Verlauf.
  • Stellvertretende Erfahrung. Zu sehen, wie andere eine Aufgabe ohne negative Folgen bewältigen.
  • Verbale Überzeugung. Zuspruch durch andere. Sie wirkt schwächer und hält nur, wenn eigene Erfahrungen sie bestätigen.
  • Körperlicher und emotionaler Zustand. Wie eine Person Erregung, Herzklopfen oder Schmerz deutet, beeinflusst ihr Urteil über die eigene Leistungsfähigkeit.

Für die Behandlung folgt daraus: Ein Erfolg, den die Person ihrem eigenen Handeln zuschreibt, wirkt stärker als ein Erfolg, den sie der Therapeutin oder einem Hilfsmittel zuschreibt.

3. Wie Sie Selbstwirksamkeit erfassen

3.1 Eine Frage, 0 bis 10

Für die tägliche Arbeit genügt oft eine einzige Frage zu der Tätigkeit, an der Sie gerade arbeiten: «Wie sicher sind Sie, auf einer Skala von 0 bis 10, dass Sie …?» Halten Sie die Antwort zusammen mit der Tätigkeit fest. So sehen Sie bei der nächsten Sitzung, ob sich das Zutrauen für dieselbe Aufgabe verändert hat. Mit dieser Frage arbeitet auch das Brief Action Planning (Abschnitt 4) [8].

Als Ausgangspunkt eignet sich die Patient-Specific Functional Scale (PSFS) [9]. Dort nennt die Person Tätigkeiten, die ihr schwerfallen, und schätzt ein, wie gut sie diese ausführen kann. Die Zutrauens-Frage lässt sich direkt an diese Tätigkeiten anschliessen.

3.2 Bei lang anhaltenden Schmerzen: PSEQ

Der Pain Self-Efficacy Questionnaire (PSEQ) fragt in zehn Items, wie zuversichtlich die Person ist, bestimmte Tätigkeiten trotz der Schmerzen auszuführen [10]. Jedes Item wird von 0 bis 6 beantwortet, die Summe reicht von 0 bis 60. Höhere Werte stehen für mehr Zuversicht. Eine deutsche Fassung ist als FESS validiert [11].

  • Veränderung: Bei chronischen Rückenschmerzen lag die kleinste bedeutsame Veränderung bei 5,5 Punkten. Sie unterschied sich je nach Ausgangswert [12].
  • Kurzformen: Der PSEQ-2 fragt nach der Zuversicht, trotz Schmerzen zu arbeiten und ein normales Leben zu führen [13]. Der PSEQ-4 war bei Rückenschmerzen ebenso änderungssensitiv wie die Langform und kann sie im Alltag ersetzen [12].
  • Vergleichswerte: Normwerte nach Alter, Geschlecht und Schmerzort aus einer Stichprobe von 6'124 Personen eines Schmerzzentrums liegen vor [14].

3.3 Bei Sturzangst: Short FES-I

Sturzangst lässt sich als geringe Selbstwirksamkeit beschreiben, alltägliche Tätigkeiten ohne Sturz zu bewältigen [15]. Die Short FES-I erfasst sie mit sieben Items, die Summe reicht von 7 bis 28 [16]. Höhere Werte stehen für mehr Besorgnis. Die Kurzform ist reliabel und korreliert mit der 16-Item-Fassung zu 0,97 [16]. Für beide Fassungen wurden Grenzwerte für geringe, mässige und hohe Besorgnis bestimmt [17].

3.4 Bei chronischen Erkrankungen allgemein: SEMCD-6

Die Self-Efficacy to Manage Chronic Disease Scale fragt in sechs Items nach dem Zutrauen, Beschwerden und Krankheit im Alltag zu bewältigen [18]. Sie wurde in Selbstmanagement-Programmen mit Personen aus fünf Ländern geprüft, ist veränderungssensitiv und hängt mit Gesundheitsoutcomes zusammen [18].

In unserem internen Befund-Werkzeug sind PSFS, PSEQ und Short FES-I hinterlegt.

Vertiefung: Fallstricke beim Messen
  • Überlappung mit Funktion. Viele Items fragen nach dem Zutrauen zu Tätigkeiten, die auch Funktionsfragebögen erfassen. Ein Teil des Zusammenhangs zwischen Selbstwirksamkeit und Einschränkung kann deshalb auf ähnlichen Inhalten beruhen. In der Metaanalyse von Jackson hing die Stärke des Zusammenhangs vom Inhalt der Skala ab [4].
  • Ausgangswert. Die kleinste bedeutsame Veränderung des PSEQ war bei tiefen und hohen Ausgangswerten unterschiedlich [12]. Eine einzige Schwelle für alle Patientinnen und Patienten vereinfacht.
  • Zeitverlauf bei Sturzangst. In einer Kohorte von 500 Personen zwischen 70 und 90 Jahren stieg die FES-I über ein Jahr an, auch ohne Sturz [17]. Ein Anstieg bedeutet also nicht automatisch einen Rückschritt der Behandlung.
  • Gefühltes und gemessenes Sturzrisiko. In derselben Kohorte lagen gefühltes und körperlich gemessenes Risiko bei 31 Prozent der Personen auseinander [19]. 54 Personen hatten ein tiefes körperliches Risiko, aber grosse Angst. Das ging mit depressiven Symptomen und schwächeren exekutiven Funktionen einher. 100 Personen hatten ein hohes körperliches Risiko, aber wenig Angst. Bei ihnen schützte das eher vor Stürzen, vermittelt über eine positive Lebenseinstellung und erhaltene Aktivität [19]. Messen Sie deshalb beides: das Zutrauen und das Gleichgewicht.

4. Stärken in der Sitzung: ein Ablauf

Der folgende Ablauf lehnt sich an das Brief Action Planning an [8]. Er verbindet die Vorgehensweisen, die in Interventionsstudien bei gesunden Erwachsenen Selbstwirksamkeit und Aktivität am stärksten erhöhten: Handlungsplanung, klare Anleitung und die Anerkennung des Einsatzes [20], dazu Rückmeldung über die eigene Leistung und Vorbilder [21].

  1. Ziel aus dem Alltag. Fragen Sie nach einer Tätigkeit, die der Person wichtig ist und im Moment schwerfällt. Die PSFS liefert dafür eine Liste [9].
  2. Konkreter Plan. Formulieren Sie gemeinsam, was die Person tut, wie viel, wann und wie oft. Lassen Sie die Person den Plan in eigenen Worten wiederholen [8].
  3. Zutrauen erfragen. «Wie sicher sind Sie, von 0 bis 10, dass Sie diesen Plan umsetzen?» Liegt die Antwort bei 7 oder höher, steht der Plan. Liegt sie darunter, klären Sie gemeinsam die Hindernisse und passen den Plan an, bis die Antwort 7 erreicht: weniger Minuten, weniger Tage, eine leichtere Variante [8]. Die 7 ist eine Faustregel (siehe Vertiefung).
  4. Wenn-dann-Pläne. Legen Sie für ein bis zwei wahrscheinliche Hindernisse fest, was die Person dann tut: «Wenn es regnet, dann gehe ich im Treppenhaus.» Solche Pläne erhöhten in 94 Untersuchungen die Zielerreichung gegenüber einem blossen Vorsatz [22].
  5. Erfolg in der Sitzung herstellen. Dosieren Sie eine Übung so, dass sie gelingt. Lassen Sie die Person danach selbst benennen, was ihr gelungen ist und wodurch. Ein Erfolg, den sie dem eigenen Handeln zuschreibt, ist die stärkste Quelle von Selbstwirksamkeit [1].
  6. Rückmeldung mit Messwerten. Vergleichen Sie heutige Werte mit dem Ausgangswert: Gehstrecke, Wiederholungen, Testzeit. Rückmeldung über die bisherige Leistung erhöhte die Selbstwirksamkeit in Interventionsstudien am stärksten [21]. Ein Bewegungstagebuch zwischen den Sitzungen ergänzt das. In Programmen für mehr Bewegung und gesündere Ernährung erklärte die Selbstbeobachtung von allen Techniken am meisten Unterschied in der Wirksamkeit, besonders zusammen mit Zielsetzung und Rückmeldung [23].
  7. Nachbesprechen. Beginnen Sie die nächste Sitzung mit dem Plan. Wurde er umgesetzt, anerkennen Sie den Einsatz ausdrücklich [20] und vereinbaren den nächsten Schritt. Wurde er nicht umgesetzt, fragen Sie ohne Wertung nach den Gründen und passen ihn an. Ein Plan, der nicht klappt, zeigt, wo das Hindernis liegt.

Vorbilder. Training in der Gruppe oder Begegnungen mit Personen in ähnlicher Lage liefern stellvertretende Erfahrung [21]. Das Beispiel wirkt umso mehr, je ähnlicher die andere Person der eigenen Lage ist.

Körpersignale. Vereinbaren Sie vor der Belastung, welche Schmerzen während der Übung in Ordnung sind und woran die Person erkennt, dass sie reduzieren soll. Ein Beispiel ist das Schmerz-Monitoring-Modell bei Achillestendinopathie: Wer Laufen und Springen innerhalb einer vereinbarten Schmerzgrenze fortsetzte, verbesserte sich ebenso wie eine Gruppe mit sechs Wochen Pause von diesen Belastungen [24]. Mit einer solchen Abmachung kann die Person ein Signal selbst einordnen.

4.1 Ein Gesprächsbeispiel

Physiotherapeutin: Sie möchten wieder mit Ihrer Enkelin zum Spielplatz gehen. Was wäre ein erster Schritt für diese Woche?

Patient: Vielleicht jeden Tag eine halbe Stunde spazieren.

Physiotherapeutin: Wie sicher sind Sie, von 0 bis 10, dass Sie das schaffen?

Patient: Ehrlich gesagt eine 4.

Physiotherapeutin: Eine 4 ist mehr als eine 0. Was müsste anders sein, damit es eine 7 wird?

Patient: Wenn es kürzer wäre. Und nicht jeden Tag.

Physiotherapeutin: Wie wäre es mit Montag, Mittwoch und Freitag nach dem Mittagessen, je 15 Minuten?

Patient: Das ist eine 8.

Physiotherapeutin: Und wenn es regnet?

Patient: Dann gehe ich die Treppe im Haus dreimal hoch und runter.

Vertiefung: Was in Interventionsstudien wirkte und was nicht

Zwei Metaanalysen werteten je 27 Interventionsstudien zur körperlichen Aktivität bei gesunden Erwachsenen aus, die Selbstwirksamkeit gezielt steigern wollten. Der mittlere Effekt auf die Selbstwirksamkeit war klein (d = 0,16) [20][21].

  • Mit höherer Selbstwirksamkeit verbunden: Rückmeldung über die eigene bisherige Leistung oder die Leistung anderer, stellvertretende Erfahrung [21], Handlungsplanung, Anleitung und Verstärkung des Einsatzes [20]. Techniken, die die Selbstwirksamkeit steigerten, steigerten tendenziell auch die Aktivität [20].
  • Mit tieferer Selbstwirksamkeit verbunden: Überzeugungsarbeit, stufenweise Aufgaben und das Identifizieren von Barrieren [21], ebenso Rückfallprävention und stufenweise Aufgaben in der zweiten Analyse [20].

Die Befunde sind Moderatoranalysen über Studien hinweg. Sie zeigen, welche Techniken in wirksameren Programmen vorkamen, und prüfen keine Technik einzeln. Sie stammen von gesunden Erwachsenen. In der Rehabilitation sind stufenweise Belastung und Rückfallplanung oft unverzichtbar. Die Daten sprechen dafür, sie mit Handlungsplänen und Rückmeldung zu verbinden und sich nicht auf sie allein zu verlassen.

In einer randomisierten Studie mit 952 Personen mit Herz- und Lungenkrankheiten, Schlaganfall oder Arthritis verbesserte ein Selbstmanagement-Kurs nach sechs Monaten Bewegung, Gesundheitszustand, Müdigkeit und Einschränkung und senkte die Spitaltage. Schmerz, Atemnot und psychisches Wohlbefinden veränderten sich nicht [25]. Als Wirkmechanismus solcher Kurse wird Selbstwirksamkeit angenommen [26].

Vertiefung: Herkunft und Evidenz der 7/10-Regel

Die Grenze von 7 stammt aus Selbstmanagement-Programmen und wird im Brief Action Planning als Faustregel weitergegeben [8]. Gestützt wird sie durch eine Auswertung von 1'136 Handlungsplänen, die 254 Teilnehmende eines Internet-Kurses formulierten. Höheres Zutrauen in einen Plan ging mit häufigerer Umsetzung einher. Wer mehr Pläne umsetzte, verbesserte sich stärker bei Einschränkung, Ausdauertraining und Selbstwirksamkeit [27]. Eine Studie, die verschiedene Grenzwerte vergleicht oder die Anpassung bis 7 randomisiert prüft, gibt es nicht.

Eine Studie in der Hausarztpraxis fand, dass Personen mit tiefer allgemeiner Selbstwirksamkeit ebenso oft Handlungspläne formulierten und umsetzten wie Personen mit hoher [28]. Mindestens 53 Prozent der Personen mit Plan berichteten nach drei Wochen eine passende Verhaltensänderung [28]. Ein tiefer Ausgangswert ist also kein Grund, auf einen Plan zu verzichten. Er ist ein Grund, mit einem kleinen Plan zu beginnen.

5. Was Ihre Worte bewirken

Was Fachpersonen sagen, prägt die Überzeugungen ihrer Patientinnen und Patienten über Jahre. In einer qualitativen Studie mit 23 Personen mit akuten oder chronischen Rückenschmerzen hatten Gesundheitsfachpersonen den stärksten Einfluss auf diese Überzeugungen [29]. Viele Botschaften wurden so verstanden, dass der Rücken geschützt werden müsse. Das führte zu Wachsamkeit, Sorge und Schuldgefühlen, wenn die Schonung nicht gelang. Beruhigung und Ratschläge zur Bewegung stärkten dagegen das Zutrauen [29].

  • Beschreiben Sie, was der Körper kann und wie er sich an Belastung anpasst.
  • Vermeiden Sie Bilder von Abnutzung, Verschleiss oder Instabilität.
  • Benennen Sie Fortschritte mit Zahlen statt mit allgemeinem Lob.
  • Schreiben Sie Erfolge dem Handeln der Person zu: «Sie haben dreimal geübt, darum geht es leichter.»

6. Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Physiotherapie bietet mehr als Übungen. Sie kann das Zutrauen einer Person messen, gezielt stärken und den Verlauf dokumentieren. Ein Bericht kann dazu enthalten:

  • die Ziele aus dem Alltag (PSFS) und ihren Verlauf,
  • den PSEQ oder die Short FES-I zu Beginn und im Verlauf, mit der kleinsten bedeutsamen Veränderung als Massstab,
  • die vereinbarten Handlungspläne und wie weit sie umgesetzt wurden,
  • gemessene Leistungen wie Gehstrecke, Kraft oder Gleichgewicht.

Sie können die Behandlung mit wenigen Mitteln unterstützen:

  • Stellen Sie in der Sprechstunde dieselbe Frage: «Wie sicher sind Sie, von 0 bis 10, dass Sie das schaffen?»
  • Verwenden Sie dieselben Botschaften wie die Physiotherapie, besonders zur Belastbarkeit. Was Fachpersonen sagen, wirkt bei Rückenschmerzen über Jahre nach [29].
  • Klären Sie depressive Symptome ab, wenn das Zutrauen tief bleibt und die Person sich zurückzieht. Grosse Sturzangst bei tiefem körperlichem Risiko ging mit depressiven Symptomen einher [19].

7. Wo die Grenzen liegen

  • Zusammenhang, keine gesicherte Ursache. Die meisten Daten zeigen, dass Selbstwirksamkeit und Verlauf zusammenhängen. Wie viel eine gezielte Steigerung allein bewirkt, ist offen (Abschnitt 1).
  • Keine Schuldzuweisung. Tiefe Selbstwirksamkeit ist eine Ausgangslage, kein Charakterzug. Ein Plan, der nicht umgesetzt wird, wird angepasst.
  • Selbstwirksamkeit ersetzt keine Abklärung. Neue, starke oder ungewohnte Beschwerden klären Sie ab, bevor Sie die Belastung steigern.
  • Zutrauen und Sicherheit. Hohes Zutrauen bei hohem körperlichem Sturzrisiko kann schützen, verlangt aber ein Gleichgewichtstraining, das dieses Risiko senkt [19].

Den Text für Patientinnen und Patienten finden Sie im Ratgeber Selbstwirksamkeit: Zutrauen in das eigene Können. Sie können ihn als Begleitmaterial abgeben.

Literatur

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Transparenz

  • Autorschaft: Roger Hilfiker
  • KI-Unterstützung: Literaturrecherche und Textentwurf entstanden mit Claude (Anthropic). Die fachliche Prüfung durch Roger Hilfiker steht noch aus.
  • Erstellt: 3. Oktober 2026
  • Zuletzt aktualisiert: 3. Oktober 2026
  • Quellen: die Arbeiten im Literaturverzeichnis. Alle DOI wurden gegen das Crossref-Register geprüft, die Befunde an den Zusammenfassungen der Arbeiten.
  • Wie die Quellen gesucht wurden: gezielte Abfragen der Datenbanken Crossref, Europe PMC und PubMed im Oktober 2026. Es war keine systematische Suche.
  • Interessenbindung: Unsere Praxis bietet Physiotherapie an, in der die beschriebenen Vorgehensweisen vorkommen.
  • Finanzierung: Physiotherapie Tschopp & Hilfiker, 3902 Glis. Die Seite entstand aus eigenen Mitteln der Praxis.
  • Nächste Überprüfung: 1. Oktober 2027

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